Vintage Fashion

Viele von uns haben den Begriff Vintage schon gehört, und besonders an Mode interessierte Menschen fragen sich natürlich, was Vintage Fashion eigentlich sein soll. Der Blick ins Wörterbuch hilft uns da oft auch nicht weiter, denn oft wird das Wort Vintage nur mit „alt“ oder „altehrwürdig“ übersetzt. Was aber unterscheidet trendbewusste Vintage Fashion nun wirklich von „alten Klamotten“?

Altehrwürdige Mode im neuen Look

Die Vintage Mode bezieht sich auf den Zeitrahmen von den wilden Zwanzigern bis zu den schrillen Siebzigern. Manche Hersteller dehnen den Begriff auch aus bis in die neunziger Jahre, jedoch liegt hier der Verdacht nahe, dass da clevere Geschäftsleute mit dem Mode-Wort Vintage ihre Verkaufszahlen steigern wollen. Ursprünglich bezieht Vintage sich allerdings wirklich auf Dinge, die zwar alt und gebraucht, aber noch nicht im engeren Sinne antik sind. Gerade Textilien sind aufgrund der begrenzten Haltbarkeit natürlich kaum noch tragbar, wenn sie mehrere Jahrhunderte überdauert haben und zu Recht einen Platz im Museum verdienen. Vintage Fashion setzt sich daher zusammen aus tatsächlich alten Stücken aus Großmutters Kleiderschrank und aus neuen Stücken, die im Used-Look gefertigt werden und Moderichtungen aus früheren Jahrzehnten zitieren.

Vintage Fashion ist der Modestil für fantasievolle Nostalgiker

Viele Modetrends haben als Gegentrend zum Mainstream begonnen, bis sie so viele Anhänger gefunden hatten, dass auch die Industrie sich plötzlich für sie interessierte. Die Punkbewegung begann als politisch motivierte Arbeiterbewegung in London, die Hippie-Mode wollte ein farbenfrohes Gegenstück zum strengen Einheitslook des amerikanischen Bürgertums sein und auch die Vintage Mode hat ihre Wurzeln ursprünglich in einer Protesthaltung: Dem Konsumwahn der Jahrtausendwende wollten mutige Modefans mit Second-Hand Mode und alten Schätzchen vom Dachboden zeigen, dass man sich auch fantasievoll kleiden kann, ohne viel Geld auszugeben und Ressourcen zu verschwenden. Wieder einmal sollte das Diktat der Designer mit Einfallsreichtum und Witz durchbrochen werden. Aber auch Designer sind findige Leute und haben den erfolgreichen nostalgischen Look längst in ihre aktuellen Kollektionen einfließen lassen.

Vintage Fashion, Retro-Look und Shabby Chic

In den letzten Jahren scheinen sich viele Lifestyle-Trends etabliert zu haben, die mit Zitaten auf vergangene Zeiten spielen. Wo aber liegen genau die Unterschiede? Es gibt den Retro-Look, die Shabby Chic Bewegung und den Vintage-Style, und alle Trends spiegeln sich sowohl in der Mode als auch in der Wohnkultur wider. Dabei ist der Retro-Look immer ein wenig sachlicher und stylisher, der Shabby Chic Trend dagegen spielt damit, besonders beim Wohnstil alte Stücke vom Flohmarkt durch kreative Aufarbeitung wieder salonfähig zu machen. Alle Trends haben aber gemeinsam, dass sie mit einem humorvollen Augenzwinkern vom Recycling-Gedanken leben und die Grenzen zwischen den einzelnen Stilrichtungen dürfen nicht nur verwischen, sie sollen sogar aufgebrochen werden und zu neuen kreativen Ideen führen. Denn Mode, Lifestyle und Konsum sind schon lange keine statischen Begriffe mehr, sondern nur verschiedene Aspekte eines individuellen Lebensgefühls. Erlaubt ist, was gefällt, und wer heute in einem Cocktailkleid im Stil der Hollywooddiven der Stummfilm-Ära auf einem Bauhaus-Sofa neben einer Jukebox aus den Fünfzigern sitzen will, der darf diesen Stil-Mix hemmungslos in vollen Zügen genießen. Denn Vintage Fashion ist kein Mode-Stil, sondern eine Lebenseinstellung!